{"id":28873,"date":"2026-03-04T13:56:09","date_gmt":"2026-03-04T12:56:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.traunreuter-stadtblatt.de\/?p=28873"},"modified":"2026-03-04T13:56:09","modified_gmt":"2026-03-04T12:56:09","slug":"grosses-kino-fuer-den-fairen-handel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.traunreuter-stadtblatt.de\/?p=28873","title":{"rendered":"Gro\u00dfes Kino f\u00fcr den Fairen Handel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Samstagabend im Traunreuter k1 hatte Substanz. Mehr als 200 Besucherinnen und Besucher str\u00f6mten ins Studio, um die Multivisionsshow \u201eOstafrika\u201c von Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner zu erleben. Die 130 Pl\u00e4tze waren rasch belegt; zahlreiche weitere Interessierte konnten aus Platzmangel leider nicht mehr eingelassen werden. F\u00fcr die Veranstalter war dieser Andrang eine gro\u00dfe \u00dcberraschung, aber auch ein starkes Signal, wie verankert der Fairtrade-Gedanke in Traunreut bereits ist.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit 2017 tr\u00e4gt Traunreut den Titel Fairtrade-Stadt, erst vor zwei Wochen wurde die Zertifizierung erneut um zwei Jahre verl\u00e4ngert. Was dieses Siegel bedeutet, wurde an diesem Abend konkret. Erster B\u00fcrgermeister Hans-Peter Dangschat w\u00fcrdigte das Engagement der Fairtrade-Steuerungsgruppe um Helga Zembsch ausdr\u00fccklich: \u201eSeit sechs Jahren k\u00e4mpfen Sie gemeinsam mit vielen Akteuren in unserer Stadt daf\u00fcr, den Fairtrade-Gedanken in die Herzen und K\u00f6pfe der Menschen zu tragen. Wie gut Ihnen das gelingt, zeigt nicht nur die erneute Rezertifizierung, sondern auch der gro\u00dfe Zuspruch heute Abend.\u201c Mit einem Blumenstrau\u00df und einem herzlichen \u201eVergelt\u2019s Gott\u201c bedankte sich Dangschat bei Helga Zembsch und der Fairtrade-Steuerungsgruppe f\u00fcr den gro\u00dfartigen Einsatz. Auch an diesem Abend informierten die Mitglieder im Foyer \u00fcber fairen Handel und boten fair gehandelte Schokolade sowie Kaffeebohnen an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann begann eine sehr differenzierte Reise durch Ostafrika. Dr. Ulmer f\u00fchrte zun\u00e4chst in den \u00e4u\u00dfersten Nordwesten Tansanias. Dort trocknet das Fair-Handels-Unternehmen Matunda Mema Ananas, weil frische Fr\u00fcchte aufgrund der abgelegenen Lage nicht exportiert werden k\u00f6nnen. Der faire Preis erm\u00f6glicht den Bauernfamilien Investitionen, die ihren Alltag sp\u00fcrbar ver\u00e4ndern: Sie wohnen in einem Steinhaus statt einer Lehmh\u00fctte, haben Solarpanels f\u00fcr Strom auf dem Dach und einen Wassertank im Hof. F\u00fcr die Konsumentinnen und Konsumenten in Europa entsteht ein hochwertiges, leckeres Produkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Uganda begegneten Ulmer und Wolfsteiner Vanillebauern. 2021 war Vanille zeitweise teurer als Silber, entsprechend hoch ist das Risiko von Diebstahl. Viele Landwirte bewachen ihre Pflanzen in den Wochen vor der Ernte Nacht f\u00fcr Nacht. Jede Bl\u00fcte wird von Hand best\u00e4ubt und reift neun Monate, die Schoten m\u00fcssen kurz vor der Vollreife geerntet und innerhalb von 24 Stunden weiterverarbeitet werden. Fermentation und Trocknung dauern Monate; insgesamt vergehen rund 15 Monate von der Best\u00e4ubung bis zum fertigen Gew\u00fcrz. Fairtrade sichert den Bauern Mindestpreise, er\u00f6ffnet Marktzug\u00e4nge und bietet Schulungen zu Landwirtschaft und Frauenrechten. Gerade Letzteres ver\u00e4ndert sp\u00fcrbar Strukturen in der patriarchalen Gesellschaft Ugandas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Naivashasee in Kenia besuchten die Fotojournalisten Rosenfarmen, die f\u00fcr den Weltmarkt produzieren. Trotz der \u00fcber 6.000 Flugkilometer von Nairobi nach Frankfurt schneiden die dort unter freiem Himmel gezogenen Rosen in der Klimabilanz besser ab als beheizte europ\u00e4ische Gew\u00e4chshausware. Die Fairtrade-Pr\u00e4mie finanziert unter anderem eine Klinik auf dem Farmgel\u00e4nde und Besch\u00e4ftigte erhalten subventionierte Lebensmittel sowie faire L\u00f6hne. Ein neu eingerichteter Krei\u00dfsaal im regionalen Krankenhaus wurde ebenfalls durch Fairtrade-Mittel erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Norden Kenias wiederum entsteht Wertsch\u00f6pfung digital. Junge Erwachsene lernen bei den \u201eLearning Lions\u201c Programmieren, Grafikdesign und Medienproduktion. Neben den \u201eLearning Lions\u201c gibt es auf dem Campus auch die \u201eDigital Lions\u201c, eine IT-Outsourcing-Agentur, in der diejenigen, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, Praxiserfahrung sammeln k\u00f6nnen. Die Ausbilder unterrichten die Trainees und erledigen Auftr\u00e4ge f\u00fcr Kunden weltweit, wie beispielsweise f\u00fcr die Konrad-Adenauer-Stiftung oder GEPA. Gegr\u00fcndet wurde der IT-Campus von Prinz Ludwig von Bayern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Referierenden blendeten Widerspr\u00fcche nicht aus. Der Bwindi-Nationalpark in Uganda sch\u00fctzt die Berggorillas wirksam vor dem Aussterben. Zugleich verloren die Batwa, die urspr\u00fcnglichen Bewohner des Regenwaldes, ihre Heimat und leben heute in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen am Rand des Schutzgebiets. Auch Sansibar wurde nicht nur als Postkartenidyll pr\u00e4sentiert. Das Fair-Trade-Unternehmen Chako besch\u00e4ftigt dort 30 Mitarbeitende und verarbeitet Altglas zu Designobjekten f\u00fcr den Verkauf auf der Insel, aber auch f\u00fcr den Export unter anderem auch nach Deutschland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Naturaufnahmen aus der Maasai Mara und vom Kilimandscharo erg\u00e4nzten das Programm, standen jedoch nicht im Mittelpunkt. Entscheidend waren die Begegnungen und die Einordnung wirtschaftlicher Zusammenh\u00e4nge. Der Vortrag zeigte, wie komplex globale Lieferketten sind und welchen Unterschied faire Handelsbedingungen machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eTraunreut hat an diesem Abend deutlich gezeigt, dass der Blick in die Welt nicht nur den eigenen Horizont weitet, sondern dass fairer Handel ganz konkret den Menschen in Afri-ka, aber auch den Konsumenten in Europa zugutekommt und daher auch auf kommunaler Ebene wichtig ist\u201c, betonte B\u00fcrgermeister Dangschat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Bildunterschrift: Erster B\u00fcrgermeister Hans-Peter Dangschat bedankt sich bei Helga Zembsch, Leitung Fairtrade-Steuerungsgruppe, f\u00fcr die hervorragende Arbeit und bei den Fotojournalisten Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner von lobOlmo f\u00fcr den wichtigen Vortrag.\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Samstagabend im Traunreuter k1 hatte Substanz. 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