Am 29. Dezember bebte das erste Mal nach vielen Jahrzehnten in Mittelkroatien mit einer Stärke von 6,4 auf der Richterskala die Erde und richtete in mehr als 39 Dörfern großen Schaden an. In den letzten 30 Tagen gab es in Kroatien ein Beben der Stärke 6.4, zwei Beben der Stärke von 5.0-5.9, elf Beben der Stärke von 4.0-4.9, mehr als 55 Beben der Stärke von 3.0-3.9 und 232 Beben der Stärke von 2.0-2.9, mehr als 281 Beben kleiner als 2.0, die Menschen normalerweise nicht spüren können.

In 11 Tagen, 8 Tonnen Spenden, 4 000 Kilometer, 18 Grenzübertritte, 10 Transporter und ein LKW – das ist die Bilanz der Erdbebenhilfe in Kroatien, auf die mit Stolz nicht nur alle Unterstützer und Helfer, sondern alle Traunreuter blicken können. Über Grenzen und Nationalitäten hinweg wurde tagelang angepackt und mit direkter Hilfe zur Milderung der schlimmen Lage in Kroatien beigetragen. Denn kurz nach Weihnachten trafen die Spenden aus dem Chiemgau als erste überhaupt im betroffenen Gebiet ein.

Bereits vor einem Jahr gab es in der Hauptstadt Kroatiens ein Erdbeben. Jetzt, nur ein Jahr später, bebt die Erde in Mittelkroatien, etwa 60 Kilometer von Zagreb entfernt seit dem 29. Dezember. An diesem Tag war das stärkste Erdbeben mit 6,4 auf der Richterskala und machte tausende Menschen mitten in der kalten Winterzeit obdachlos. Es zerstörte Häuser, die Infrastruktur brach zusammen. Die Stromversorgung wurde lahmgelegt, zerstörte Kamine machen das Heizen unmöglich. Häuser, die nicht eingestürzt sind, sind zum Teil unbewohnbar. Bis heute dauern die Erdbeben an. Ein weiteres Problem stellen Erdlöcher mit mehreren Metern Durchmesser dar, die in der betroffenen Region aufbrechen, warmes Wasser und Sand werden an die Oberfläche gedrückt.

     

Selbstverständlich war die Betroffenheit in Traunreut sehr groß, denn viele Einwohner stammen aus Kroatien, andere fühlen sich durch zahlreiche Urlaube stark mit dem Land verbunden.
Als die Kroaten Mladen Tomić und Robert Marijić von dem Erdbeben erfuhren, wollten sie keine Zeit verlieren und den Betroffenen so schnell und unbürokratisch wie möglich helfen. In diesen Zeiten kein leichtes Unterfangen. Entschlossen die Organisation der Erdbebenhilfe aktiv anzupacken, kontaktierten sie mit ihrem Anliegen Dejan Drlja, den Wirt des Restaurant Champion am Traunring. Ohne zu zögern stellte dieser den großen Saal zur Sammlung der Spenden zur Verfügung. Auch Ivica Moslavac, Administrator der Facebook-Gruppe „Hrvati u traunreut-u i okolici“ wurde gebeten, mitzuhelfen, vor allem, um das Vorhaben publik zu machen.

So fanden sich immer mehr Helfer, die bereit waren mitanzupacken. Auch Dani Zepackić, Meik und Candy Steinbach, waren Helfer der ersten Stunde, die die Fahrten begleitet und jeden Tag Spenden sortiert haben. Bereits die Ressonanz auf die Online-Veröffentlichung der ersten Spendensammlung in der kroatischen Gruppe wie auch auf der Seite des Traunreuter Stadtblattes, war unglaublich. Nur wenige Stunden später, nämlich am nächsten Morgen fuhren unzählige Menschen aller Nationalitäten bei Restaurant Champion vor, die Autos bepackt mit Nahrung, Kleidung, Windeln und mehr. Die Spenden wurden direkt in die vier Lieferfahrzeuge geladen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und Vergelts´s Gott an Ford Reuner, der für alle drei Fahrten einen voll betankten Lieferwagen zur Verfügung gestellt hat. So geht der Dank ebenso an Edeka Goggitsch und Holzfachhandel Plössl, die die Aktion nicht nur am ersten Tag, sondern über die ganze Zeit voll unterstützt haben, sei es finanziell wie auch mit Sachspenden.

Bereits kurz vor Mittag starteten die Lieferwagen nach Kroatien. Von vornherein war allen klar, dass vor Ort eine Übernachtung nicht möglich sein wird, allein schon wegen den aktuellen Corona-Auflagen. So fuhren mehrere Helfer mit, um sich am Steuer abwechseln zu können. Ein erschreckendes Bild bot sich ihnen vor Ort. Die Menschen wärmten sich und kochten an offenen Feuerstellen vor ihren Häusern, die Geschäfte waren leer gekauft oder nicht betretbar, die ständigen Nachbeben sorgen für große Angst.
Da die Fahrer nicht aus dieser Gegend stammen, hat sich das Team erstmal einen Überblick über die Situation verschaffen müssen. Es wurde schnell klar, dass das Krankenhaus in Sisak zum Beispiel dringend Babynahrung und Windeln benötigt oder auch, dass viele Familien in den Dörfern direkt mit den Spenden versorgt werden müssen.

          

Von Anfang an stand es fest, dass es nicht bei einer Hilfslieferung bleiben darf und die Spendensammlung aufrecht erhalten werden muss wie auch weitere Fahrten unternommen werden müssen. Die Spendenbereitschaft war unglaublich groß, minütlich trafen die Spenden im Restaurant Champion ein. Der Zusammenhalt war unbeschreiblich und hat allen Beteiligten gezeigt, was man gemeinsam erreichen kann. Innerhalb weniger Tage trafen etwa 8 Tonnen Spenden an Kleidung, Decken, Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Baumaterial und Heizlüftern ein, die von zahlreichen Helfern sortiert wurden. So konnten Pakete gepackt werden, die man direkt aus den Lieferwagen heraus von Haus zu Haus abgeben konnte. Ein Dankeschön für die großzügigen Spenden auch an SSP Elektrotechnik, Traunapotheke – Stefan Tischner, die Löwenapotheke und Firma Leimer!

Auch der Erste Bürgermeister Hans-Peter Dangschat besuchte die Helfer im Restaurant Champion und war überrrascht, aber auch beeindruckt über die gewaltige Einsatz- und Spendenbereitschaft. Er schlug zur Freude der Anwesenden vor, die Getränkekosten der Helfer in Höhe von 350,- Euro zu übernehmen. Über mehrere Tage bekochte Dejan Drlja auf eigene Kosten das gesamte Team. Auch die Kosten für Heizung und Beleuchtung werden auf seiner Rechnung zu finden sein. So hoffen alle Beteiligten, dass die Traunreuter dieses große Engagement zu würdigen wissen und den Wirt in der Corona-Zeit mit Bestellungen von Essen unterstützen!

Das zweite mal fuhren erneut 3 Lieferwagen nach Kroatien. Zahnarzt Dr. Blazic aus Traunreut ist auch mit seinem Van gefahren und hatte die Güter bei einem örtlichen Feuerwehrhaus abgeladen, die dann von der dortigen Feuerwehr weiterverteilt wurden an die Menschen, die es am dringendsten benötigten, die zum Teil in Schuppen oder in ihren Autos nächtigten. Etwa 10 Tage nach dem großen Erdbeben trafen zahlreiche Wohnwägen ein, die den Bewohnern als Notunterkunft bereitgestellt wurden.
Trotz der Feiertage wurde in Traunreut fleißig weitergesammelt. Die Hilfsbereitschaft hörte nicht an der Stadtgrenze auf. Kroaten aus Grassau sammelten einen ganzen Lieferwagen voll Nahrungsmittel, Babynahrung, Windeln und übergaben diese an Robert Marijić.
Für die dritte Fahrt stellte derschreinerhuber aus Taching einen voll betankten Lieferwagen zur Verfügung. Hrvoje Beljan, Inhaber des Transportunternehmens Ulla Stil d.o.o., schickte sogar einen LKW nach Traunreut, der kostenfrei die verpackte und sortierte Kleidung nach Kroatien brachte.

     

Auch am letzten Tag halfen viele Traunreuter, um den LKW und die letzten vier Lieferwagen zu beladen. Die Bäckerei Kotter spendierte allen, die beim Beladen des LKWs geholfen haben eine Brotzeit. Vielen Dank für diese leckere Stärkung!
Eine besondere Überraschung erwartete die Fahrer und Begleiter der 4 Lieferwagen bei der dritten Fahrt nach Kroatien. Eine kroatische Polizeieskorte begleitete den Konvoi zur Übernachtungsmöglichkeit bei Zagreb. Hier konnte das Team übernachten und wurde von den Gastgebern auch bekocht, ohne dafür einen Cent in Rechnung zu stellen. Tagsüber fuhr man wieder in die Dörfer, verteilte die Spenden, die dankbar angenommen wurden. Auch das gespendete Geld wurde an Familien gegeben, die das Schicksal besonders hart getroffen hat. Darunter eine Familie, die vor kurzem ein Kind verloren hat und nun das mit Hypotheken belastete Haus nicht mehr betreten darf, da es einsturzgefährdet ist.

Im Moment sind die Menschen im Erdbebengebiet gut versorgt. Wie man den Medien entnehmen konnte, wurde ihnen aus vielen Ländern Hilfe geschickt. Nun bleibt es zu hoffen, dass die Erdbeben bald aufhören. Der Wiederaufbau hat begonnen. Auch an diesem werden einige Traunreuter teilnehmen. Wir wünschen allen Betroffenen nur das Beste und danken für so viel Engagement, Vertrauen und Freundschaft. Lasst es uns ins neue Jahr mitnehmen!