Regional denken ist wichtig, handeln umso wichtiger: die Corona bedingten Schließungen haben den Einzelhandel, der bereits vorab durch den rasch wachsenden Onlinehandel geschwächt war, wie auch die Gastronomie, Veranstalter und zahlreiche Dienstleister in eine tiefe Krise gestürzt, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Wenn wir eine lebendige Stadt mit vielen Komfortzonen möchten, in der wir gerne leben, arbeiten, schoppen und flanieren, müssen wir alle gemeinsam dazu beitragen, dass unsere Gewerbebetreibenden diese Zeit überstehen. Wenn wir uns ein attraktives Angebot an Ausbildungsplätzen und Arbeitplätzen zu fairen Bedingungen wünschen, dann müssen wir aktiv zur Stärkung der Region beitragen. Wenn es unseren Firmen gut geht, dann geht es auch der Stadt gut, die Gewerbesteuereinnahmen wiederum in unsere Zukunft investieren kann. Es wird Zeit, dass wir dieses Anliegen uns zu Herzen nehmen und umsetzen. Und zwar nicht nur akut, sondern dauerhaft.

 

„Traunreut hält zusammen – dies war und ist für mich eine zentrale Botschaft

der Menschen in und um Traunreut.”  

Hans-Peter Dangschat, Erster Bürgermeister der Stadt Traunreut

 

Für den Ersten Bürgermeister, Hans-Peter Dangschat, dessen Amtsperiode mitten in der Corona-Krise startete, ist es wichtig jetzt gemeinsam an einem Strang zu ziehen.„Traunreut hält zusammen – dies war und ist für mich eine zentrale Botschaft der Menschen in und um Traunreut. Der Zusammenhalt in der Bevölkerung und bei den Unternehmen ist meines Erachtens in diesen Zeiten der Corona-Pandemie eine Stütze unserer städtischen Gesellschaft“, ist Hans-Peter Dangschat überzeugt. „Für diesen Zusammenhalt möchte ich mich schon jetzt bei allen bedanken, die geduldig und verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen sind und ihren Mitmenschen geholfen haben. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Gemeinschaft diese Pandemie bewältigen kann. Unterstützen Sie bitte auch weiterhin unsere Unternehmen und kaufen in Traunreut ein bzw. genießen die Angebote unserer lokalen Restaurants. Sie unterstützen dabei auch unsere Stadt als Gesamtgebilde“, appelliert er an die Bürger.

Das Stadtmanagement Traunreut hat in den letzten Wochen daran gearbeitet, die steten Änderungen, Maßnahmen und Förderungen rasch an die Gewerbebetreibenden weiterzugeben und diese in der Krise zu beraten. Aber auch daran, die Bürger und die regionalen Unternehmen an einem zentralen Punkt zusammenzubringen. Unter dem Slogan „Traunreut kauft regional!“ unter dem Button “Handel” auf der Startseite der Stadt Traunreut finden Verbraucher mittlerweile über 100 Einträge von Firmen aus Traunreut, aufgeteilt nach Branchen. Egal ob Einzelhandelsbetrieb, Handwerksbetriebe, Dienstleister, Landwirte oder Gastronomiebetriebe: Während der Corona-Krise informierte diese offizielle Seite der Stadt Traunreut über geänderte Öffnungszeiten, Serviceleistungen wie Abhol- oder Bringdienste unserer Unternehmen.

Einige Unternehmer haben sich während des Lockdowns ehrenamtlich engagiert. Nicht vergessen werden darf das großartige gemeinsame soziale Engagement von Dejan Drlja, dem Wirt vom Restaurant Champion, und Roger Gorzel von der Fahrschule Gorzel, Vorstand des TuS Traunreut. Sie haben über Wochen zweimal wöchentlich Menschen, die sich keine warme Mahlzeit leisten oder sich nichts zubereiten konnten, kostenlose Mittagessen ausgegeben. Bis zu 100 Portionen gingen allein an einem Ausgabetag an die dankbaren Bürger, die zum Teil stark von der Schließung der Traunreuter Tafel betroffen waren.

Selbstverständlich war das Soforthilfeprogramm, willkommen und half zum Teil dabei, den Liquiditätsengpass zu mildern, aber schließlich waren die Auszalhungen doch nur Tropfen auf den heißen Stein, wenn man den langfristigen Schaden bedenkt. Zudem war die steuerpflichtige Finanzspritze nicht für Löhne gedacht, die jedoch bei den meisten kleinen und mittelständischen Betrieben die größten Ausgaben ausmachen.

„Natürlich erfordert es Mut, in dieser Zeit größere Investitionen zu tätigen,

aber Schockstarre hilft nicht weiter.”  

Alexander Weisshaupt, Inhaber Sportinsel

Alexander Weisshaupt, Inhaber der Sportinsel, investierte in die Zukunft und hat gemeinsam mit seinem Team und heimischen Betrieben während des Lockdowns umfangreiche Renovierungsmaßnahmen durchgeführt. „Natürlich erfordert es Mut, in dieser Zeit größere Investitionen zu tätigen, aber Schockstarre hilft nicht weiter. Und ich freue mich über unsere Mitglieder, die unser Engagement schätzen und uns in dieser Zeit treu zur Seite stehen. Das bestärkt uns darin, auf dem richtigen Weg zu sein!“

Zahlreiche weitere Unternehmer aus dem Stadtgebiet an ihren Serviceleistungen gefeilt oder den digitalen Bereich in den letzten Wochen verstärkt ausgebaut, so auch Bettina Schlegel-Krogloth von „Bewegung und Ernährung“ in Traunreut, die nun Onlinekurse im Programm hat.
Eugen Strauss, Geschäftsführer von smartphonexpress im Gewerbegebiet, hat sich auch neue Wege gesucht, die von Kunden sehr gut angenommen wurden: „Während der Schließung, haben wir unser Sortiment und Dienstleistungen erweitert, um unseren Kunden einen einmaligen Service im Landkreis zu bieten. Für mehr Informationen besuchen sie uns gerne im Shop oder auf unserer Webseite. Wir, das Team von SmartphoneXpress, bedanken uns herzlich bei unseren Kunden, trotz der aktuellen Beschränkungen für das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung.“

Zur Hilfe eilt den Einzelhändlern das bayerische Wirtschaftsministerium, das innerhalb kürzester Zeit ein neues Hilfsprogramm ins Leben gerufen hat. Anhand von kostenfreien Schulungen über Webinare, Fragemöglichkeiten und konkreten Handlungsempfehlungen haben die Einzelhändler in Bayern die Chance, ihr Vertriebs- und Kommunikationskonzept weiter zu entwickeln. Bereits vor der Corona-Krise fanden mehrere kostenfreie Seminare zum Thema Digitalisierung für die Gewerbebetreibenden im k1 statt, die nun auf die Onlineebene verlegt werden mussten.
„Die Unternehmen möchte ich bitten, nutzen Sie die Ihnen angebotenen Unterstützungen, wie z.B. die kostenfreien Seminare für Händler zum Aufbau und Intensivierung der digitalen Angebote“, so Hans-Peter Dangschat. „Sie finden die Informationen auf unserer Homepage unter www.traunreut.de bzw. auf den Seiten des Soforthilfeprogramms für den Einzelhandel unter www.soforthilfe-handel.bayern.“

“Nur mit einem lebendigen Handel werden wir langfristig eine

lebendige Stadt sicherstellen können“

Christian Stoib, Wirtschaftsreferent der Stadt Traunreut

An dieser Stelle möchten wir auch den neuen Wirtschaftsreferenten der Stadt Traunreut, Christian Stoib, zu Wort kommen lassen, dessen Amtsantritt mitten in der Krise auch große Herausforderungen mit sich brachte. „Ich hoffe baldmöglichst Gelegenheit zu finden, mich mit den Händlern auszutauschen. Denn nach einer langen Pause, bedingt durch den Corona-Lockdown, gilt es nun, die lokalen Händler zu unterstützen und die heimische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und auch zu stärken. Dies gelingt uns vor allen Dingen, wenn uns allen bewusst wird, die aktuellen Lockerungen dazu zu nutzen, nicht mehr den Onlinehandel irgendwo anzunehmen, sondern jetzt gilt es umso mehr, die Läden und Dienstleistungen vor Ort wieder und sogar vermehrt in Anspruch zu nehmen. Nur mit einem lebendigen Handel werden wir langfristig eine lebendige Stadt sicherstellen können“, merkt Christian Stoib an. „Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die vielfach notwendige Kurzarbeit zu empfindlichen Gehaltseinbußen führt und viele Mitbürger jetzt ein besonderes Augenmerk auf ihre Ausgaben haben. Es gilt, aufeinander Rücksicht zu nehmen und niemanden zu überfordern oder zu übervorteilen.

Am Anfang der Pandemie waren es Klopapier, Toast und Nudeln, die gekauft wurden, als ob jede Lieferung die letzte sein könnte. Danach waren es Seife, Hefe und Mehl, weil wohl jeder dachte, man komme für viele Monate nicht mehr raus. Auch wenn wir nun feststellen, dass wir für mindestens sechs Monate weder Seife, Klopapier, Mehl und Hefe nachkaufen müssen und vielleicht etwas genügsamer geworden sind, was auch nicht das Schlechteste ist, gibt es weit mehr als diese vier, fünf Dinge, die zum Leben gehören. Lasst uns gemeinsam den Laden wieder in Schwung bringen“, regt Christian Stoib die Bürger an.

Und tatsächlich lohnt sich das genaue Hinsehen, wenn es um den Vergleich „Einkauf vor Ort“ und „Onlineshopping“ geht. Onlineshopping funktioniert auch fair und regional, wie die Buchhandlung Grütter beweist. Während zum Beispiel eines der größten Versandhäuser die Lieferung zahlreicher Titel nicht mehr anbieten kann, ist es möglich bei der Buchhandlung Grütter online zu bestellen, schließlich nur auf Abholung drücken (damit ihr Lieblingsbuchhändler vor Ort auch etwas verdient) und schon kann das Buch in den meisten Fällen am nächsten Werktag abgeholt werden.

„Ein herzliches Dankeschön an alle, die lokal einkaufen und uns unterstützen.”

Marianne Schuhböck, Geschäftsinhaberin Gardinen Ehr

Qualität, Service zu einem anständigen Preis-Leistungsverhältnis und mit einer ordentlichen Beratung und Garantie, das gibt es beim Händler vor Ort. Wenn man statt auf den Cent zu schauen, in Qualität investiert, dann freut man sich viele Jahre über die Anschaffung. Davon ist auch Marianne Schuhböck, Geschäftsinhaberin von Gardinen Ehr in Traunreut, überzeugt, die sich gerne bedanken möchte: „Ein herzliches Dankeschön an alle, die lokal einkaufen und uns unterstützen. Gerade bei Stoffen will man doch das Original sehen und fühlen! Jetzt ist die passende Zeit, um geplante Vorhaben in die Tat umzusetzen und die eigenen vier Wände umzugestalten. Eine große Auswahl und kompetente Beratung liegt uns sehr am Herzen!“

Auch Gabriele Huber, Inhaberin der Blumengalerie in der Marienstraße musste ihr Ladengeschäft für einige Wochen schließen. „Um unsere Kunden nicht im Stich zu lassen, haben wir Blumen vermehrt geliefert. Ich möchte mich aus ganzem Herzen bei unseren treuen Kunden für den Zuspruch und die Unterstützung bedanken, die nicht zuletzt zum Erhalt unseres Geschäftes beigetragen haben. Trotz allem merken wir natürlich nach wie vor die Zurückhaltung, die diese Angst vor Ansteckung mit sich bringt.“

Gabriele Kernbüchl-Strauss, Inhaberin der Tanzschule Heartbeat, plagten mit jeder Woche Lockdown größer werdende Existenzsorgen, denn nicht jedes Mitglied hatte Verständnis für die staatlich verordnete Schließung. Manche kündigten bereits nach der ersten Woche. Die hohen Pachtkosten, Nebenkosten, Versicherungen und Löhne blieben. Ein kleiner Lichtblick waren die Onlinekurse, an der die Mitglieder teilnehmen konnten und die sehr gut angenommen wurden. Nun darf sie endlich wieder durchstarten: „ich freue mich auf den belebten Saal, auf viele glückliche Tanzpaare, auf das Kinderlachen in den Kursen, auf dieses gewisse Leuchten in den Augen der Tanzschüler während der Tanzstunden, auf gemeinsame Auftritte und natürlich auf das Miteinander!“

Getroffen von der Schließung des Ladengeschäftes und der gleichzeitigen Absage von Feierlichkeiten wie Hochzeitsfeiern ist auch Reinhard Winkler von Foto Gastager. „Ich möchte nicht jammern, sondern nach vorne schauen. Ich hoffe darauf, dass die Menschen auch in den nächsten Jahren auf unsere Professionalität bauen, sei es bei Portrait- und Gruppenaufnahmen, an denen man ein Leben lang Freude hat, bei der Anfertigung individueller Rahmen oder bei unserem umfangreichen Service bei Festlichkeiten wie Erstkommunion, Firmung, Taufen und Hochzeiten. Es wäre Schade, wenn einmalige Anlässe wie „Der erste Schultag“ nur auf verwackelten Handybildern zu sehen sind. Qualität sollte wieder eine größere Rolle spielen. So bieten wir auch an, Handybilder qualitativ hochwertig auszudrucken.“

Für uns ein Ansporn, so wie es die Lage wieder zulässt, wieder für mehr Leben in unserer Stadt durch Veranstaltungen und Events und Einkaufserlebnissen zu sorgen.

Peter Klück, Arge Werbegemeinschaft Traunreut

Peter Klück von der Arge Werbegemeinschaft Traunreut bedauert sehr, dass sich ihre Mitglieder in diesem Jahr nicht in gewohntem Umfang präsentieren können. „Zeitgleich zum Start unserer ersten Aktion in diesem Jahr dem Frühjahrsgewinnspiel, kündigte sich Corona an. Vorsorglich musste dies aber eingestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt ahnte aber noch keiner von uns, wie hart Corona, Teile des Einzelhandels, die Gastronomie und das Dienstleistungsgewerbe treffen würde. Leider mussten auch andere Veranstaltungen der ARGE wie verkaufsoffener Sonntag, Kulturnacht, Stadtlauf und auch das Familienherbstfest abgesagt werden. Diese Ereignisse haben uns gezeigt, wie selbstverständlich und doch so wertvoll unser Leben vor Corona war. Für uns ein Ansporn, so wie es die Lage wieder zulässt, wieder für mehr Leben in unserer Stadt durch Veranstaltungen und Events und Einkaufserlebnissen zu sorgen.
Verstärkt werden wir in der Gemeinschaft Wege zu suchen, um unsere Betriebe digital auf den neuesten Stand zu bringen. Hier kann die ARGE Traunreut auf viele kompetente und engagierte Mitglieder bauen, die in verschiedenen Arbeitskreisen wie zum Beispiel unsere Ideenschmiede tätig sind. Auch die verstärkte positive Zusammenarbeit mit der Stadt Traunreut, insbesondere mit dem Stadtmanagement , wird es uns möglich machen neue Wege zu gehen. So oft gehört und doch so wichtig. Bleiben Sie gesund“, schließt Peter Glück sein Statement, dem wir uns nur anschließen können.

In der Hoffnung, dass der eine oder andere Leser sich diesen Artikel zu Herzen nimmt, werden wir auch als Stadtblatt-Team unseren Gewerbebetreibenden wie auch den Bürgern unserer Stadt weiterhin zur Seite stehen. Wir sind fest davon überzeugt, dass es nur einen gemeinsamen Weg aus dieser Krise gibt. Weiter geht es immer. Die Frage dabei ist stets dieselbe: „Wie?“. Die Antwort darauf habt ihr in der Hand.