Ab 1. Mai 2020 ist Hans-Peter Dangschat Erster Bürgermeister von Traunreut.  Pünktlich zum Amtsantritt haben wir für unsere

Mai-Ausgabe die Gelegenheit erhalten, ihm einige Fragen zu stellen.

 

Wir beglückwünschen Sie herzlich zur Wahl des Ersten Bürgermeisters. Möchten Sie gleich zu Anfang ein paar Worte an die Traunreuter Bürger richten?

Ich danke allen Wählerinnen und Wählern ganz herzlich für das mir entgegengebrachte Vertrauen. Mit so einem so guten Ergebnis und parteiübergreifender Unterstützung hatte ich nicht gerechnet. Dies ist für mich nicht nur Anlass zur Freude, sondern ich sehe es auch als Auftrag zur überparteilichen Gestaltung meiner neuen Aufgabe an. Hiermit habe ich bereits begonnen und mit allen Vertreterinnen und Vertretern der im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen Kontakt aufgenommen. Ganz besonders freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Traunreut, die gerade wieder bei der Durchführung der Stichwahl unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Pandemie riesengroßen Einsatz gezeigt haben. Dafür danke ich ihnen nachträglich noch herzlich.

 

Wenn Sie auf Ihren erfolgreichen Wahlkampf zurückblicken, was hat diesen ausgezeichnet?

Zum einen haben sicher unsere vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer den Unterschied gemacht. Viele von ihnen waren keine Mitglieder der CSU, sondern sogar Anhänger von ganz anderen politischen Gruppierungen. Trotzdem haben sie sich zum Beispiel in der initiative „Wir für Dangschat“ eingebracht. Viele Wählerinnen und Wähler haben natürlich vor allem unsere erfrischend gestalteten Werbemittel und die Social-Media Werbung wahrgenommen; auch hier ist zu sagen, dass dies fast vollständig ehrenamtlich bewältigt wurde. Zum anderen glaube ich auch, dass unsere Botschaft „Zeit für Neues“ und der Stil des Wahlkampfes den Nerv der Traunreuterinnen und Traunreuter getroffen haben. Wir haben von Anfang an fair, innovativ und optimistisch um das Vertrauen geworben.

 

Sie haben sehr großen Zuspruch erhalten. Was hat Sie besonders gefreut oder auch überrascht?

Natürlich hat mich überrascht, dass ich bereits im ersten Wahlgang so weit vorne lag. Immerhin hatte ich 6 teils sehr profilierte und erfahrene Mitbewerber – darunter den bisherigen Amtsinhaber. Besonders gefreut hat mich dabei, dass ich in der ganzen Stadt großen Zuspruch erhalten habe, auch in Ortsteilen in denen es CSU-Bürgermeisterkandidaten in der Vergangenheit sehr schwer hatten. Dies ist als Bürgermeister aber auch mein klarer Anspruch: ich möchte Bürgermeister für die ganze Stadt mit allen ihren Ortsteilen sein.

 

Ihre Amtszeit beginnt in einer Zeit großer Herausforderungen. Wie gehen Sie damit um?

Normalerweise wollte ich als erste Amtshandlung den ganzen Stadtrat und die Stadtverwaltung zu einer Klausurtagung einladen. Dies kann nun erstmal nicht realisiert werden, weil es die Ausgangsbeschränkungen und Versammlungsverbote unmöglich machen. Ich werde dies aber so schnell wie möglich nachholen. Mit Blick auf die derzeitige Situation habe ich mir aber vor allem vorgenommen, dass ich den Herausforderungen mit Ruhe, Zuversicht und Optimismus begegnen will.

 

Welche absehbaren Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Traunreut?

Welche Beeinträchtigungen und Schwierigkeiten durch die Krise noch auf unser Land, die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger zukommen werden, ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Ich denke, wir müssen uns jedenfalls darauf gefasst machen, noch viele Monate mit dem Virus und den erforderlichen Eindämmungsmaßnahmen zu leben. Dass dies massive wirtschaftliche Folgen für unsere kleinen und mittelständischen Betriebe und uns alle haben wird, ist unbestreitbar. Es droht eine tiefgreifende Rezession. Für mich als Bürgermeister ist es wichtig, dass wir die Daseinsvorsorge sicherstellen; die Notbetreuung in den Kindergärten und Kindertagesstätten, die Wasser- und Abwasserversorgung und natürlich auch Serviceleistungen durch die Stadtverwaltung. Erfreulich ist für mich in dieser Situation, dass wir einerseits sehen, wie unsere Stadt Abstand hält und trotzdem zusammensteht. Es freut mich, wenn ich höre, welch starke Unterstützung gefährdete Gruppen unserer Gesellschaft durch Mitbürgerinnen und Mitbürger erfahren. Bürgerschaftliches Engagement ist in diesen Zeiten noch unverzichtbarer als gewöhnlich. Ich bin sicher, wenn wir uns diese Haltung bewahren und die veränderten Lebensbedingungen annehmen, werden wir die Krise gemeinsam bewältigen.

 

Viele Bürger und Unternehmer in Traunreut kämpfen um ihre Existenz bedingt durch die Corona-Krise. Welche Möglichkeiten sehen Sie, diese zu unterstützen?

Wenn es um die Unterstützung mit öffentlichen Geldern und Bürgschaften geht, ist grundsätzlich die Landes – und Bundesregierung am Zuge. Ich bin der festen Überzeugung, dass Bayern eine Vorreiterrolle einnimmt, wenn es um die Unterstützung mittelständischer Unternehmen in dieser Krise geht. Markus Söder hat eine weitgehend unbürokratische Unterstützung von Selbstständigen und Kleinunternehmern durchgesetzt. Dazu gehören massive Steuerstundungen ohne Zinszahlungen und ein Rettungsschirm zur Sicherung der Liquidität und dem Schutz vor Insolvenz. Die Stadt sollte hier über Steuerungsmöglichkeiten der Wirtschaftsförderung Ansprechpartner und Mittler für Betroffene sein, um so gut wie möglich zu beraten. Gut finde ich auch, dass eine Regelung zur Befreiung von den Gebühren der geschlossenen Einrichtungen – KiTas, Kindergärten – durch die Staatsregierung erfolgt. Wo die Stadt hier mitziehen kann, sollte sie es – wenn möglich und finanziell tragbar – tun. Wir sollten aber vor allem nicht vergessen, dass jeder einzelne von uns einen Beitrag zur Stärkung der lokalen Wertschöpfung leisten kann. Verschenken wir doch in diesem Jahr verstärkt Gutscheine von unseren ortsansässigen Gastronomiebetrieben, die Betreibenden unserer Restaurants, Cafés und Bars trifft diese Krise besonders hart. Kaufen wir alle miteinander vor Ort bei unseren Einzelhändlern ein und nicht nur im Internet. Wir haben so einen starken Einzelhandel in Traunreut, hier findet man fast alles was das Herz begehrt.

 

Sechs Jahre reichen nicht immer, um alle Pläne umzusetzen. Was sind Ihre ersten Ziele?

Mein vorrangiges Ziel habe ich in dem vergangenen Wahlkampf oft genannt: ich will einen neuen Stil in der Stadtpolitik. Primär will ich für ein besseres Miteinander zwischen Stadtrat, Verwaltung und Erstem Bürgermeister sorgen. Nur so können wir Traunreut wieder voranbringen. Mit der Umsetzung dieses Ziels habe ich bereits begonnen. So konnte ich in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat führen. Auch werden ab der Konstituierung des Stadtrats neue Regeln für seiner Arbeitsweise gelten; frühzeitige und vollumfängliche Information und Vorbereitung der Sitzungen. Die Stadtverwaltung wird klare Regeln und Weisungen zum transparenten und offenen Umgang mit dem Stadtrat erhalten. Es wird eine Umsetzungskontrolle für Beschlüsse und Anfragen geben. Die Referentinnen und Referenten des Stadtrats erhalten mehr Rechte und einen uneingeschränkten Zugang zu Kenntnissen der Verwaltung. Der nächste Schritt wird die Einführung von Mechanismen sein, um Bürgerinnen und Bürger bei Projekten frühzeitig einzubinden, ihre Anliegen aufzunehmen und ernst zu nehmen.

 

Der Stadtrat ist nun sehr bunt besetzt. Wie schätzen Sie die künftige Zusammenarbeit und die damit verbundene Beschlusskraft des neuen Stadtrates ein?

Natürlich ist die neue Besetzung des Gremiums in dem nun so viele verschiedene politische Gruppierungen vertreten sind, eine Herausforderung. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass dies eben dem Wählerwillen entspricht und von uns allen zu respektieren ist. Die Zusammensetzung des Stadtrats zwingt mich zu verstärktem Dialog mit den Mitgliedern um Mehrheiten sicherzustellen – hierzu werden wohl meist mindestens drei Gruppierungen/Fraktionen benötigt. Auf einen intensiven Austausch mit dem Stadtrat zu setzen mache ich aber gern, denn es entspricht meiner Grundüberzeugung. Wie bereits ausgeführt will ich in diesen kommenden 6 Jahren alle mitnehmen und einbinden die daran Interesse haben. Vor allem werde ich keine bedeutenden Beschlüsse in den Stadtrat bringen, die nicht vorab mit den Vertreterinnen und Vertretern der Gruppierungen beraten und abgewogen wurden. Ich habe deshalb die feste Überzeugung, dass es mir immer wieder gelingen wird, Brücken zwischen den unterschiedlichen Positionen zu bauen, Kompromisse zu finden und Mehrheiten zu bilden.

 

Sie haben nun auch eine starke Stimme für Traunreut im Kreistag. Welche Chancen bietet das für Traunreut? 

Im Kreistag und seinen Ausschüssen werden immer wieder bedeutende Beschlüsse gefasst, die für die Stadt Traunreut massive Auswirkungen haben. Hier als Bürgermeister und Vertreter der Traunreuter Interessen aufzutreten und frühzeitig unsere Positionen einzubringen ist mir wichtig. Ich bin als Mitglied des Fraktionsvorstands der CSU-Kreistagsfraktion zudem in einem Schlüsselgremium, in dem wichtige Entscheidungen vorberaten werden. Nicht nur aufgrund unseres freundschaftlichen Verhältnisses und unserer langjährigen Zusammenarbeit, habe ich auch einen ganz engen Draht zum Landrat. Davon kann Traunreut sicherlich profitieren. Gleiches gilt auch für meine Vernetzung im Landkreis unter den Bürgermeistern; die neu gewählten Bürgermeister von Traunstein, Tittmoning und Ruhpolding kenne ich sehr gut und schätze sie seit vielen Jahren. Gleiches gilt für die Nachbarbürgermeister.

 

Ein positiver Gedanke zum Schluss: Sie engagieren sich schon viele Jahre in der Politik, worauf freuen Sie sich nun besonders als Erster Bürgermeister?

Wie sie zu Recht sagen, habe mich in den vergangenen 18 Jahren ehrenamtlich kommunalpolitisch engagiert. Jeder der mich kennt weiß, dass dieses Ehrenamt und der damit verbundene Einsatz für meine Heimatstadt, immer meine größte Leidenschaft war. Ob im Alter von 16 Jahren in der Jungen Union, als 24jähriger Feuerwehrreferent oder mit Ende 20 als Zweiter Bürgermeister. Obwohl ich meinen Beruf als Rechtsanwalt unglaublich gerne ausgeübt habe, ist es nun einfach großartig, dass ich meiner Leidenschaft Kommunalpolitik jetzt hauptberuflich als Ihr Bürgermeister nachgehen darf. Die Stadtentwicklung und den Stil der Stadtpolitik an entscheidender Stelle zu leiten und zu gestalten ist das, worauf ich mich dabei am meisten freue.