Voller Saal im Cafe am Schloss Pertenstein

Viele Besucher und Gäste konnte der Ortvorstand von Bündnis 90 / Die Grünen in Traunreut, Peter Noss, in Pertenstein zum Alexander von Humboldt – Abend begrüßen. Im September jährte sich Humboldts Geburtstag zum 250. Mal. Auch aus den umliegenden Gemeinden waren Humboldt-Begeisterte angereist, einige sogar aus München.

In seinen einführenden Worten hob Noss das enorme Engagement des jungen Humboldt für den Bergbau in Franken hervor, seine umsichtige Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Gründung einer Bergbauschule sowie das von ihm selbst verfasste Lehrmaterial. Dass Humboldt unstrittig der Titel Universalgelehrter zustehe machte er deutlich durch Hinweis auf seine Leistungen in den Bereichen Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Botanik, Vegetationsgeographie, Zoologie, Klimatologie, Ozeanographie, Astronomie, aber auch Wirtschaftsgeographie, Ethnologie und Demographie. Er sei der Wegbereiter der Ökologie, indem er auf die Vernetztheit von Natur und Mensch, von Artenvielfalt, Lebensbedingungen und Gefährdungen der Tier und Pflanzenwelt hingewiesen habe.

 

Als Bergbauexperte, Diplomat und Weltreisender ohne Eroberungs- oder Bereicherungsgelüste habe er weltweite Bewunderung gefunden. So sei ihm von 12 Ländern der jeweils höchste Nationalorden verliehen worden, 6 verschiedene Universitäten haben ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Kein Geringerer als Goethe habe von ihm gesagt:

„Im Gespräch mit Humboldt erfährt man in einer Stunde mehr als man in einer Woche aus Büchern lesen könnte“.

Nach übereinstimmender Auffassung seiner diversen Biographen seien nach keinem Menschen auf der Welt mehr Schulen, Straßen, Universitäten, Wissenschaftseinrichtungen, Tiere, Pflanzen und Naturphänomene benannt als nach Alexander von Humboldt – ein Mensch, der es verdiene, sich an ihn zu erinnern. Musikalisch begleitet wurde der Abend von der Band Cuartuno, die mit der leidenschaftlichen Musik lateinamerikanischer Länder das Publikum begeisterte.

Von Humboldts vielfältigen Untersuchungen während seines siebentägigen Zwischenstopps auf Teneriffa auf der Reise von Spanien nach Südamerika berichtete Maria Helmberger-Noss. So habe er etwa den Teide, den mit 3718 m höchsten Berg auf spanischem Territorium erstiegen und den Vulkanismus als im wahrsten Sinne treibende Kraft der Geologie erkannt. Er studierte die Insel in geologischer botanischer, astronomischer Hinsicht, besuchte den großen Drachenbaum in Orotava und entwickelte seine Wissenschaft von der Pflanzengeographie.

Die Landtagsabgeordnete und Landratskandidatin Gisela Sengl würdigte Alexander von Humboldt als umfassend gebildeten Wissenschaftler mit dem Blick für das Denken in Zusammenhängen Er habe die Ideen der Aufklärung, diesem großen Entwicklungsschub der Menschheit hin zu mehr persönlicher Handlungsfreiheit, zur Gleichberechtigung aller Menschen und zur Verpflichtung des Staates, dem Gemeinwohl zu dienen, zur Grundlage seines wissenschaftlichen und persönlichen Lebens gemacht. Als erster Mensch warnte er schon in der damaligen Zeit vor der Zerstörung der Umwelt. Er erforschte die komplexen Zusammenhänge zwischen Natur und menschlichem Leben. Nie zuvor hatte die Menschen den gesamten Planeten als eine große, gefährdete Einheit betrachtet. Humboldts wichtigste Erkenntnis war: Unser Kosmos ist ein zerbrechliches System und alle Eingriffe haben eine Wirkung und Wechselwirkung. Er sah voraus, dass die Zerstörung der Umwelt extreme Konsequenzen für kommende Geschlechter haben wird.

Auch den Grünen gehe es sozusagen „um´s Ganze“. „Wir stehen für die Idee, dass das „Wir“ wichtiger ist als das „Ich“. Wir stehen für das Denken in Zusammenhängen und die Grundlage dafür sind die Einhaltung der Menschenrechte und der Schutz und Erhalt unserer natürlicher Lebensgrundlagen. Alexander von Humboldt hat mit großer Neugier und unter manchen Entbehrungen – aber mit Freude an neuen Entdeckungen die Welt bereist. Sein Kompass war die Ökologie und die Aufklärung. Mit dieser Haltung ist er uns heute noch ein Vorbild und manche sagen, er war der erste Grüne!“

Im Anschluss hob der Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek, der selbst früher auf Humboldts Spuren Südamerika bereist hat, den Humanisten Humboldt hervor, der ein entschiedener Gegner der Sklavenhaltung gewesen sei, womit er sich England zum Feind gemacht habe. Mit seinen vielfältigen Untersuchungen von Naturphänomenen sei er zweifellos der herausragende Wegbereiter des ökologischen Denkens und insofern freue er sich ganz besonders, dass die Traunreuter Grünen ihm einen eigenen Abend widmeten.